Das Jesidentum (auch Ezidentum genannt) ist eine eigenständige, monotheistische Religion mit einer jahrtausendealten Geschichte.
Die Jesiden glauben an einen einzigen Gott (Xwedê), der die Welt erschaffen hat. Da Gott nach jesidischer Vorstellung so rein und erhaben ist, dass er nicht direkt in das Weltgeschehen eingreift, hat er die Erde der Obhut von sieben Engeln anvertraut.
Das Jesidentum hat seine Wurzeln im antiken Mesopotamien (heutiger Nordirak, Syrien, Türkei). Die Jesiden sind eine ethnisch-religiöse Gruppe; ihre Muttersprache ist überwiegend das kurdische Kurmandschi, in dem auch die heiligen Texte (Qewls) mündlich überliefert werden.
Die jesidische Gemeinschaft ist nach strengen sozialen Regeln organisiert. Man kann nicht zum Jesidentum konvertieren. Jeside ist nur, wer von jesidischen Eltern geboren wurde. Jesiden dürfen nur innerhalb ihrer eigenen Religionsgemeinschaft heiraten.
Das wichtigste religiöse Zentrum und Heiligtum ist das Tal von Lalish im Nordirak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, einer zentralen Reformfigur des Jesidentums aus dem 12. Jahrhundert. Jeder Jeside sollte einmal im Leben eine Pilgerreise dorthin unternehmen.
Jesiden wurden aufgrund von sich hartnäckig haltenden Vorurteilen immer wieder verfolgt und diskriminiert. Zuletzt durch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) im Jahr 2014, was zu einer großen Fluchtwelle führte.
Der jesidische Kalender basieren auf einem Solarkalender, der oft als „Ezidischer Kalender“ (kurdisch: Kelenna Rojhilatê – Ost-Kalender) bezeichnet wird. Dieser entspricht in seiner Struktur weitgehend dem julianischen Kalender und geht dem gregorianischen Kalender aktuell um 13 Tage nach. Im jesidischen Kalender beginnt ein neuer Tag traditionell mit dem Sonnenuntergang des vorherigen Abends.
Die Zeitrechnung beginnt laut Tradition 4.750 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung. Das gregorianische Jahr 2026 entspricht dem jesidischen Jahr 6776. Der Mittwoch ist der heiligste Wochentag der Jesiden (Tag der Schöpfung), während der Freitag oft als Tag der Ruhe und Versammlung für Feste dient.
Der jesidische Kalender nutzt Monatsnamen, die auf das antike babylonisch-aramäische System zurückgehen. Diese Namen werden auch heute noch in vielen Teilen des Nahen Ostens (wie im Irak oder Syrien) für die Monate verwendet.
Der jesidische Kalender folgt der Struktur (Monatslängen, Schalttage) des julianischen Kalenders. Aber das neue Jahr beginnt im Jesidentum nicht am 1. Januar, sondern im Frühling. Das jesidische Neujahr, Çarşema Sor (Roter Mittwoch), findet immer am ersten Mittwoch im April nach dem julianischen Kalender statt. Daher fällt das jesidische Neujahr immer auf einen Mittwoch, der auf oder nach den 14. April des gregorianischen Kalenders fällt.
Der jesidische Kalender bestimmt seine Fest- und Feiertage überwiegend auf Grundlage des julianischen Kalenders. Ein Teil der Feste ist an feste Kalendertage gebunden, während andere – wie beispielsweise das jesidische Neujahr (Çarşema Sor) – nach bestimmten Regeln berechnet werden und auf einen festgelegten Wochentag innerhalb eines Monats fallen. Darüber hinaus umfasst der Kalender einige religiöse Gedenktage, die auf den islamischen Mondkalender zurückgehen und daher jährlich im Kalender wandern. Ergänzt wird der Kalender durch moderne Gedenk- und Erinnerungstage, die direkt nach dem gregorianischen Kalender festgelegt sind. Der jesidische Kalender vereint also drei unterschiedliche Zeitrechnungssysteme und spiegelt damit sowohl religiöse Traditionen als auch historische und aktuelle Entwicklungen wider.